Was kann uns Fröbel heute zum kindlichen Spiel sagen?
Ein knapper Abriss für Eltern aus aktuellen Anlass
Friedrich Wilhelm August Fröbel gilt weithin als Begründer des Kindergartens. Seine Hinweise auf die Notwendigkeit des Spiels in der kindlichen Entwicklung sind zwar bekannt, jedoch haftet dem kindlichen Spiel bis heute meist etwas Mystisches und an mancher Stelle sogar eine Beliebigkeit an. Fröbels Einsichten in das Gesehen des Spiels werden daher – besonders in der Bundesrepublik – wenig beachtet.
Befürchtungen von Eltern
Mit Blick auf zukünftige gesellschaftliche Entwicklungen besteht gegenwärtig häufig eine öffentliche Verunsicherung, ob Kindern das Spielen auch tatsächlich hilft, im späteren Leben ‚zurechtzukommen‘. Die Anforderungen der Gesellschaften an die in ihnen lebenden Individuen steigen. Jeder Mensch trägt sein Teil dazu bei, Gesellschaften zu stabilisieren, die wiederum unser Überleben absichern. Verhalten, welches dem Allgemeinwohl dienlich sein soll, wird heute generell erwartet. Kinder sollen heute etwa schon früh kritisch und konstruktiv mit Medien umgehen können. Frühe Bildung wird daher als eine Möglichkeit angesehen, Kinder angemessen auf die Welt vorzubereiten, in die sie hineinwachsen. Somit sorgen sich Eltern darum, dass ihre Kinder bereits möglichst früh gebildet werden und Wesentliches lernen müssen.
Es solle kein ‚Zeitfenster‘ versäumt, ‚sensible Phasen‘ müssten optimal genutzt werden. Das kindliche Spiel scheint dabei eher hinderlich. Es wird häufig unterstellt, beim Spiel würde nichts oder nur Unwichtiges gelernt (vgl. Winkler 2009). Spielen wird insofern als beliebige Beschäftigung betrachtet. Dies zeigt sich sogar im alltäglichen Sprachgebrauch: Wenn es in Gesprächen ernst wird, sagen Erwachsene zu ihren Kindern: ‚Nun geht mal spielen!‘
Möglicherweise stellt dies ein Symptom der gesellschaftlich weit verbreiteten Annahme dar, das Spiel sei nur eine Überbrückung der Zeit, in der Kinder sich entwickeln.
Einsichten Fröbels (bereits zwischen 1836 und 1852)
Tatsächlich ist die Lernleistung von Kindern besonders in der frühen Kindheit sehr hoch. Bedenkt man die Entwicklungsfreiräume, die sich potentiell bieten, wenn Kinder bereits sehr früh viel und umfassend lernen, so bietet eine oberflächliche Betrachtung diesen Ideen eine geeignete Plattform. Dabei werden jedoch wesentliche Einsichten ausgeblendet, die durch ein äußerst knapper Blick auf das kindliche Spiel bei Fröbel verdeutlicht:
(1) Kinder lernen – vor allem in der frühen Kindheit – gerade durch das Spiel, d.h., vorwiegend durch Spielen.
(2) Die „Kompetenzen“ aus dem und durch das Spiel sind Entwicklungsgrundlage jeglicher folgenden Bildung.
(3) Spielen und Nachahmen als wesentliche Momente der frühkindlichen Bildung verbinden sich im Entwicklungsverlauf zunehmend.
(4) Das Spiel geschieht zwischen Freiheit und Führung. Es ist in mehrfacher Hinsicht dialektisch.
(5) Die Führung im Spiel geschieht im Wesentlichen durch ‚Vorordnungen‘ im Erziehungsfeld – und zwar bis hinein in die Konstruktion der Spielmaterialien.
Weitere Ausführungen finden sich in einer entstehenden Dissertation an der Universität Jena mit dem Titel:
Zur Spielpädagogik Friedrich Fröbels. Eine systematische Analyse des Verhältnisses von Aneignung und Vermittlung im Kinderspiel anhand spielpädagogisch relevanter Briefe.
Die Publikation ist für 2013 geplant.
Literaturhinweise:
[folgen]
Ulf Sauerbrey, 4.1.2012
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