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Belastete Innenraumluft in Wohnungen mit Kindern (KUS 2010)

Ganz aktuell (September 2010) erschien von Christine Schulz und KollegInnen der neue despkriptive Bericht des Kinder-Umwelt-Surveys (KUS), dessen Daten das Umweltbundesamt zwischen 2003 und 2006 erhob. Dabei wurden mehrere tausend Kinder bundesweit auf Schadstoffe untersucht. Es fanden sich in diesem Survey in den bisherigen Berichten verschiedene Belastungsquellen. Erfasst wurden dabei neben Blut- und Urinproben der 3- bis 14jährigen Kinder auch die Belastung des Hausstaubes aus den Aufenthaltsräumen der Kinder sowie die Belastung des Trinkwassers.

Im aktuellen Bericht wurde nun die Raumluft der Räume untersucht, in denen sich die Kinder am häufigsten aufhielten (in über 90% das Kinderzimmer). Trotz vieler Meldungen in den Medien über Verkehrsemmissionen und Verbrennungsgase aus Industrieanlagen sagt uns die Wissenschaft seit Jahrzehnten, dass die Innenraumluft in bundesdeutschen Haushalten meist weitaus stärker belastet ist als die Außenluft - oft mit flüchtigen organischen Verbindungen, die aus verschiedenen Quellen stammen können (rauchende Eltern, PVC-Böden, Linoleum-Böden, Pressspanplatten, Tapeten, Kleber, Farbanstriche etc.). Die Namen der bedenklichen Schadstoffe lauten unter anderem: Alkane, aromatische, halogenhaltige und sauerstoffhaltige Verbindungen, Terpene, sogenannte VOC, Aldehyde wie z.B. das bekannte Formaldehyd.

Im Folgenden sollen die wichtigsten Ergebnisse des neuen KUS-Berichts vorgestellt werden.

Generelle Befunde

In gut der Hälfte aller Fälle (ca. 54%) ist die Luftqualität der "Räume in denen sich die Kinder in Deutschland am längsten aufhalten, hygienisch unbedenklich" (Schulz 2010, S. 129). Hierbei muss jedoch berücksichtigt werden, dass diese Aussage auf Vergleichsdaten beruht, die Grenzwerte für Schadstoffe bei Kindern festlegen. Derartige Grenzwerte sind in Fachdiskussionen zum Teil in der Kritik, dass auch unterhalb dieser Werte schädliche Wirkungen bei manchen Kindern zu erwarten sind (z.B. bei Allergikern oder bei durch genetische Prädisposition sensiblen Kindern). Grenzwerte für Kinder schließen immer nur die Norm der Kinder ein und können daher nicht für die Gesamtheit der Kinder in Deutschland gelten.
Im Umkehrschluss zeigen die generellen Ergebnisse des KUS außerdem auf, dass knapp die Hälfte der Wohnungen in Deutschland für Kinder auf stofflicher Ebene ein nachgewiesenes Risiko für die Gesundheit der Kinder darstellen.

Bewohner haben großen Einfluss auf die Schadstoffquellen

"Die Daten des KUS legen nahe, dass die Luftqualität in Innenräumen vor allem durch die Bewohner selbst beeinflusst wird, sei es z. B. durch die Anwendung von Haushaltsprodukten, von denen schädliche Emissionen in die Innenraumluft ausgehen können, oder durch Verhaltensweisen wie das Rauchen." (ebd., S. 129) 
Zukünftig müssen nun vor allem Erwachsene daher über schadstoffvermeidende Handlungsweisen viel stärker informiert werden.


Schadstoffvermeidung durch richtiges Handeln der Erwachsenen

- täglich mehrfach richtiges Stoßlüften für mind. 5 Minuten
(angekippte Fenster befördern Schadstoffe und Feuchtigkeit nicht nach außen)

- Lüften am besten durch Öffnen gegenüberliegender Fenster

- Lüften bei Wasserdampfentstehung (Kochen, Duschen, nach dem Schlafen)

- Lüften bei Arbeit mit geruchsintensiven Stoffen, oder besser gleich:

- Vermeiden geruchsintensiver Stoffe (Kleber, Lüsemittel, Parfüm, Waschmittel, Spülmittel etc.) und keine Anwendung von Raum- und Insektensprays

- "Kontinuierlicher Luftwechsel beim Kochen mit Kohle oder Gas" (ebd., S. 129)

- Rauchen in Wohnungen, in denen Kinder leben, ist bei dem heutigen Wissen eine Körperverletzung. Auch wenn die Kinder nicht direkt anwesend sind, können die Verbrennungsgase in der Raumluft auch noch nach Tagen dem Nachwuchs schaden.

Weiterhin bleibt ein kritischer Konsum bei Körperpflegemitteln, Putzmitteln, chemischen Haushaltsprodukten, Duft- und Aromastoffe, lösungsmittelhaltigen Büromaterialien, Möbeln aus Spanplatten, aber auch Möbeln aus frischem Vollholz (bedenkliche Harze) empfehlenswert. Der gesunde Menschenverstand sollte bei stark und übel riechenden Produkten ebenso kritisch stimmen, wie bei allen Produkten, auf denen keine vollständige Liste mit Inhaltsstoffen angegeben wird.

Renovierung lange vor der Nutzung der Räume durchführen!

Grundsätzlich gilt durch die Ergebnisse des KUS-Berichtes außerdem: Nach einer Renovierung oder Sanierung sollten die Räume nicht sofort wieder bewohnt werden. Es häufen sich Hinweise - auch im aktuellen KUS-Bericht (S. 4) -, dass erst nach 12 Monaten (oder sogar noch später) die renovierten Räume wieder genutzt werden sollten! Derartige Hinweise verweisen bereits sehr direkt auf das hohe Risiko der Chemikalien, die in alltagsüblichen Produkten wie Farbe, Tapetenkleber etc. zur Anwendung kommen.

Deutliche Forderungen an die Industrie

"Zudem ist der Verbraucherschutz auf staatlicher Ebene – möglichst in Kooperation zwischen Industrie, Behörden, Wissenschaft und Verbänden – weiter auszubauen. Dies kann u. a. durch ein verschärftes Chemikalienrecht sowie die Weiterentwicklung der Verbraucherkennzeichnung und der gesundheitlichen Anforderungen an Bauprodukte und Bedarfsgegenstände erreicht werden[...]" (ebd.)

Der gesamte Bericht kann im Internet kostenlos eingesehen werden unter:
http://www.umweltdaten.de/publikationen/fpdf-l/4011.pdf


Literaturnachweis:

Schulz, C., Ullrich, U., Pick-Fuß, H., Seiwert, M., Conrad, A., Brenske, K.-R., Hünken, A., Lehmann, A., Kolossa-Gehring, M. (2010): Kinder-Umwelt-Survey (KUS) 2003/06. Innenraumluft – Flüchtige organische Verbindungen in der Innenraumluft in Haushalten mit Kindern in Deutschland, Umweltbundesamt, Dessau-Roßlau / Berlin. (=Schriftenreihe Umwelt und Gesundheit 03/2010)
http://www.umweltdaten.de/publikationen/fpdf-l/4011.pdf

 



Ulf Sauerbrey, 08.09.2010


   
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