Gesunde Kinderzimmer
Folgende Beschreibungen für die gesundheitlich unbedenkliche Einrichtung von Kinderzimmern stammen aus dem Artikel Vergiftete Neugeborene aus dem Handbuch der Umweltgifte des Toxikologen Max Daunderer. Sie bieten Hinweise, wie Kinderzimmer umweltfreundlich und zugleich ohne Schadstoffe, welche die kindliche Entwicklung beeinträchtigen, eingerichtet werden können:
Umweltschutz im Kinderzimmer
Möbel
Kinderzimmer sind leider oft die kleinsten Räume einer Wohnung und zudem mit vielen buntlackierten Möbeln aus Sperrholz und Kunststoffen „übermöbliert’. In derart ausgestatteten kleinen Räumen kann der vom Bundesgesundheitsamt empfohlene Richtwert von 0,1 parts per million (ppm) - also millionstes Teilchen Formaldehyd leicht überschritten werden.
Massivholzmöbel, hergestellt aus heimischen Holzarten und mit formaldehydfreien Leimen verarbeitet, bilden deshalb gerade auch für das Kinderzimmer die gesündeste und umweltfreundlichste Lösung. Massivholzmöbel sind meist erheblich teurer als Möbel aus Spanplatten oder Kunststoff, sie sind aber in der Regel wesentlich robuster und landen somit nicht in kürzester Zeit auf Mülldeponien oder in Verbrennungsanlagen.
Es gibt inzwischen eine breite Palette von „mitwachsenden“ Möbeln für das Kinderzimmer, die auch im Jugend- und sogar teilweise im Erwachsenenalter noch gut zu verwenden sind und obendrein sehr beliebt sind! Das Holz sollte offenporig behandelt werden mit Naturharzölen, Leinöl, Lasuren oder Bienenwachs. Holzschutzmittel sind in Innenräumen unnötig, auf Lacke kann in der Regel auch verzichtet werden. Wer trotzdem gerne Lacke verwendet, sollte entweder auf Lacke der Naturfarbenhersteller mit lückenloser Volldeklaration oder auf lösemittelarme Wasserlacke zurückgreifen, für die es seit 1987 das Umweltzeichen (RAL-UZ12), den „blauen Engel“, gibt.
Formaldehydarme Produkte aus Holz oder Holzwerkstoffen können seit 1986 das Umweltzeichen (RAL-UZ 38) erhalten, wenn sie in einem Prüfraum 0,05 ppm Formaldehyd nicht überschreiten. Die hierbei verwendeten Spanplatten sind meist mit Phenolharzen oder Isocyanaten verleimt. Empfindliche Personen können jedoch auch auf Isocyanate allergisch reagieren. Im Vergleich mit konventionellen Sperrholz/Kunststoffmöbeln bieten neben Massivholzmöbeln Möbel aus formaldehydfreiem Leimholz, aus Tischlerplatten und naturholzfurnierten Platten noch die beste Alternative.
Bodenbeläge
Bodenbeläge sollten aus erneuerbaren Rohstoffen hergestellt sein, sich bei Herstellung, Gebrauch und Entsorgung möglichst umweltfreundlich verhalten und keine Schadstoffe (Reste von Bioziden, Weichmachern, Formaldehyd, Lösemitteln) an die Innenraumluft abgeben. Als umweltfreundliche Bodenbeläge für Kinderzimmer eignen sich daher vor allem Holz- und Korkbeläge sowie Linoleum. Korkplatten und Vollholzparkett aus heimischen Hölzern,es gibt sie schon in vielen Variationen. Sie sollten mit Naturharzölen und Hartwachsen behandelt werden.
Auf stark lösemittelhaltige Parkettversiegelungsmittel und Kleber sollte verzichtet werden. Für die unterschiedlichen Bodenbelagsarten gibt es bereits spezielle, lösemittelarme Dispersionskleber. Bei textilen Bodenbelägen für das Kinderzimmer kommen naturbelassene, nicht mit Bioziden behandelte Teppiche aus reiner Schurwolle, aus Kokos, Sisal, Ziegenhaar und Baumwolle in Frage. Der Teppichrücken sollte nicht aus Kunststoffschaum (Weichmacher, PVC, PU, evtl. FCKW-geschäumt, Entsorgungsprobleme!) bestehen, sondern aus Naturlatex oder Jute.
Böden aus Synthetikfasern sind nicht nur problematisch bei der Entsorgung, sie laden sich auch leichter elektrostatisch auf, ziehen stärker Staub an und speichern außerdem kaum Feuchtigkeit.
Wandfarben/Tapeten
Für Wand- und Deckenanstrich in Kinderzimmern eignen sich Kreide-Leimfarben, (Naturharz-)Dispersionsfarben, Kalkkaseinanstriche und Silikatfarben für Innenräume. Beim Kauf sollten Sie auf eine genaue Inhaltsstoffdeklaration achten und keinesfalls Produkte mit bioziden Zusätzen kaufen.
Tapeten sind heute häufig mit chemischen Zusatzstoffen ausgerüstet, z.B. wird versucht, die Reißfestigkeit in nassem Zustand durch Kunstharze auf der Basis von Formaldehyd zu erhöhen. Auch Fungizide (Pilzgifte), die einer Schimmelbildung vorbeugen sollen, werden eingesetzt. Kunststoff-Tapeten aus Weich-PVC-Schaum-Polyurethan-Weichschaum oder Isoliertapeten aus Polystyrolschaum verschlechtern das Raumklima, da sie keine Feuchtigkeit aufnehmen und sich elektrostatisch aufladen können. In Herstellung und Entsorgung sind sie ebenfalls als problematisch einzustufen.
Empfehlenswert sind Rauhfasertapeten aus unbehandelten Holzfasern, die zwischen zwei ungebleichten Papierschichten mit Naturharzen gebunden werden, oder Rauhfasertapeten mit dem Umweltzeichen. Diese müssen aus Altpapier hergestellt sein und dürfen keine gesundheitsschädlichen Stoffe enthalten.
Malen, Schreiben, Basteln
Fingerfarben
Fingerfarben werden aus Farbpigmenten, Bindemitteln, Füllstoffen und Konservierungsmitteln hergestellt. Problematisch sind Schwermetalle, Azofarbstoffe und einige Konservierungsmittel wie Formaldehyd und PHB-Ester. 1987 haben die Hersteller von Fingerfarben vereinbart, dass aromatische Inhaltsstoffe nicht mehr eingesetzt werden. Dafür wird ein Bitterstoff zugesetzt, damit Kinder die Farbe nicht mehr essen. Farbstoffe und Konservierungsmittel für Lebensmittel müssen zugelassen sein. Achten Sie auf diese Hinweise auf der Verpackung, kaufen Sie Markenartikel und keine Billigimportware, denn darin können oft noch Schwermetalle enthalten sein.
Deckfarben
Deckfarben enthalten nur in sehr geringen Mengen Schwermetallpigmente, die alle weit unter den Grenzwerten der Europäischen Norm liegen. Sie geben keinen Anlass zu Bedenken. Plakatfarben
Plakatfarben sind für wasserfestes und großflächiges Malen gedacht. Sie enthalten teilweise organische Lösemittel, die auch über die Haut aufgenommen werden können. Für Kinder gibt es deshalb wesentlich geeignetere Malutensilien, wie zum Beispiel Fingerfarben oder Deckfarben.
Wachsmalstifte
Wachsmalstifte bestehen in der Regel aus natürlichen oder synthetischen Wachsen und einer Beimischung von Kaolin (Porzellanerde). Wachsmalstifte haften gut auf Papier, Holz, Textilien. Ihre Inhaltsstoffe sind in der Regel unbedenklich.
Buntstifte, Bleistifte
Buntstifte und Bleistifte sind im allgemeinen als unbedenklich einzustufen. Verzichten Sie aber besonders bei Buntstiften auf den Kauf von Billigimportware, denn darin können noch Schwermetalle enthalten sein. Dasselbe gilt für den Lacküberzug von Bleistiften und Buntstiften, auf dem Kinder gerne herumkauen.
Faserschreiber, Filzstifte
Faserschreiber können gesundheitsschädliche aromatische Kohlenwasserstoffe wie Xylol oder Toluol enthalten sowie die Konservierungsstoffe Formaldehyd oder Diethylenglykol. Es gibt auch Filzstifte auf Tinte-Wasser- bzw, auf Alkoholbasis oder Filzstifte mit Lebensmittelfarben, die als Konservierungsstoffe lebensmittelrechtlich zugelassene Stoffe einsetzen. Obwohl es bei einigen Modellen Minen zum Nachfüllen gibt, bleiben jedoch die meisten Fasermaler Ex-und-Hopp-Artikel, die unsere Umwelt unnötig belasten. Die bunten Plastikhüllen und Kappen, die teilweise noch aus PVC bestehen, können zudem Schwermetalle enthalten. Für Kleinkinder sind Fasermaler ungeeignet.
Textmarker
Für Textmarker gilt dasselbe wie für Fasermaler. Einen ausgezeichneten Ersatz bilden nachspitzbare, unlackierte Trockentextmarker, die bereits in vielen Farben und Stärken im Handel sind. Füllfederhalter
Schreibtinten enthalten in der Regel keine gefährlichen Inhaltsstoffe. Problematisch ist nur rote Tinte mit Eosin, einem Farbstoff, der für kleine Kinder toxisch ist. Damit durch Tintenpatronen nicht die Müllberge vergrößert werden, ist es besser, Kolbenfüller zu benützen oder Tintenpatronen mit sogenannten Konvertern nachzufüllen.
Kugelschreiber
Kugelschreiber enthalten als Schreibflüssigkeit wässrige Lösungen aus Tensiden, Farbstoffen und Feuchthaltemitteln. Kugelschreiber, bei denen die Schreibflüssigkeit dicker ist, enthalten Verdickungsmittel und häufig organische Lösemittel, wie z.B. Benzylalkohol. Kaufen Sie keine Einwegkugelschreiber, sondern Modelle mit auswechselbarer Mine. Kugelschreiber sind auch bereits mit Holz- statt mit Kunststoffhülle erhältlich.
Modelliermassen
Es gibt nicht-erhärtende, dauerplastische Modelliermassen, lufttrocknende Modelliermassen und im Backofen erhärtende Modelliermassen. Problematische Inhaltsstoffe sind Schwermetalle (z.B. Cadmium als Stabilisator), PVC, Weichmacher und polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe. Eine Gesundheitsgefährdung kann sich durch Verschlucken oder das Einatmen giftiger Dämpfe ergeben, die beim Erhitzen der Masse im Backofen entstehen können. Bei den lufttrocknenden Modelliermassen werden weitgehend unbedenkliche Stoffe verwendet. Empfehlenswert sind Knetmassen aus Bienenwachs und Lebensmittelfarbstoffen. Das Bundesgesundheitsministerium verpflichtete die Hersteller von härtbaren Modelliermassen, einen Warnhinweis auf die Packung zu drucken: Kein Kinderspielzeug! Salzteig als Modelliermasse lässt sich leicht selbst aus Wasser, Salz und Mehl im Verhältnis 1:2:2 herstellen. Auch Salzteig darf aber wegen des hohen Salzanteils nicht verschluckt werden.
Klebstoffe
Kleber mit Inhaltsstoffen wie Toluol, Xylol, Aceton oder Methylacetat als Lösungsmittel sollten auf keinen Fall verwendet werden. Lösemittelhaltige Kleber mit Aufdrucken wie „Feuergefahrlich“, „Von Kindern fernhalten“, „Reizt Augen und Haut oder “Nicht ins Abwasser gelangen lassen“ sowie mit dem Flammensymbol gehören nicht in Kinderhände. Sie sind gesundheitsgefährdend und umweltbelastend und gehören in den Sondermüll. Für Kinder eignen sich Tapetenkleister ohne fungizide Zusätze, Papierkleber auf Wasserbasis sowie Klebestifte.
Spielzeug
Gutes Kinderspielzeug sollte unter Umweltgesichtspunkten zwei Voraussetzungen erfüllen: Zum einen muss es für die Kinder sicher und gesundheitlich unbedenklich sein. Zum anderen sollte es aber auch das Umweltbewusstsein der Kinder entwickeln und somit dazu beitragen, sich später als Erwachsene umweltbewusst zu verhalten. Dazu gehört, dass gutes Spielzeug weder bei der Herstellung noch bei der Entsorgung die Umwelt belastet.
Darauf sollten Sie beim Spielzeugkauf achten:
· Das Spielzeug sollte stabil, langlebig und reparaturfreundlich sein; so kann es auch in mehreren Kinderjahrgängen benutzt werden. Danach bieten sich Flohmärkte zum Verkaufen und Tauschen und damit zu weiterer Nutzung an.
· Kaufen Sie lieber weniger, aber von guter Qualität.
· Spielsachen und Spiele mit aufwendiger oder unnötiger Verpackung sollten Sie zurückweisen und beim Produzenten reklamieren.
· Die „spiel guf „-Plakette garantiert die Überprüfung auf Sicherheit und Umweltverträglichkeit. Diese runde, orangefarbene Plakette wird vom „Arbeitsausschuss Kinderspiel + Spielzeug e.V.“ verliehen. Neben der Einhaltung der üblichen Sicherheitsnormen und gesetzlichen Bestimmungen sowie einem Praxistest wird seit 1989 auch die Umweltverträglichkeit der Spielsachen bewertet.
· Holzspielsachen, die mit Pflanzenbeizen, kombiniert mit Wachsbalsam, bunt gebeizt sind, sind besser als lackierte.
· Plüschtiere sollten waschbar sein. Vor allem bei kleinen Kindern empfiehlt es sich, die Tiere zu waschen, bevor Sie sie ihnen zum Spielen geben, da sie die Tiere häufig in den Mund nehmen.
· Es gibt auch Spiele, die an die Umweltproblematik heranführen. Solchen sollten Sie den Vorzug geben.
Abfall
Batterien
Immer mehr Spielsachen von Spielzeugautos bis zu Computerspielen laufen heute nur noch mit Batterien. Bitte überlegen Sie, ob der Kauf solcher Artikel wirklich sinnvoll ist. Batterien verbrauchen bei der Herstellung das Vielfache an Energie, was sie leisten und belasten dabei die Umwelt. Ausserdem ist die Entsorgung verbrauchter Batterien sehr problematisch. Eine Alternative stellen Akkus dar, die bis zu tausendmal wieder aufgeladen werden können. Die Aufladung kann übrigens durch solarbetriebene Ladegeräte erfolgen, die es mittlerweile überall im Fachhandel gibt. Allerdings sind auch Akkus Sondermüll. Deshalb ist der Betrieb mit Netzgerät- wenn möglich - zu bevorzugen, bzw. der Verzicht die ökologisch beste Möglichkeit. Eine Regenerierung verbrauchter Nickel-Cadmium-Akkus ist bei ReNiCa, Wihelm-Dieß-Weg 13,81927 München, Tel. 93 23 49, möglich. Verbrauchte Batterien können beim Giftmobil und bei Batteriesammelstellen an Schulen, bei vielen Elektrogeschäften und im Umweltladen abgegeben werden.
Windeln
Eine eindeutige Entscheidung zur Bevorzugung von Stoff- oder Höschenwindeln unter ökologischen Gesichtspunkten lässt sich derzeit noch nicht treffen. Beide Windelarten belasten auf verschiedene Weise die Umwelt. Bei den Wegwerfwindeln wirken sich der hohe Energie-, Rohstoff- und Wasserverbrauch bei der Herstellung der Komponenten (Zellstoff, Plastik, Absorbermaterial aus Polyacrylat) sowie die entstehende Müllmenge negativ auf die Umwelt aus. Gegen die Stoffwindeln sprechen die Abwasserbelastung und der Energieverbrauch beim Waschen und maschinellen Trocknen. Unsere Tips:
· Wenn Sie Höschenwindeln benutzen, so kaufen Sie ungebleichte oder zumindest sauerstoffgebleichte Produkte. Diese belasten die Gewässer deutlich weniger als chlorgebleichte.
· Wenn Sie wegen der Verringerung der Abfallberge Stoffwindeln bevorzugen, wenden Sie sich an einen Windelservice in Ihrer Nähe. Auf diese Weise verringern Sie den Energie- und Wasserverbrauch beim Waschen und sparen Zeit.
Windelservice in München (kein Anspruch auf Vollständigkeit):
· 1. Münchner Windelservice, Michaelianger 2f, 85764 Oberschleißheim, Tel.: 3 15 93 16
· E.M. Windeldienst, Viktor-Scheffel-Str. 14, 80803 München, Tel.: 39 87 00 od. 33 25 40
· Pink Panther’s Windelservice, Am Moosfeld 16, 81829 München, Tel.: 42 28 47
· 88 Babys Bestes Windelservice, Denisstr. 5, 80335 München, Tel.: 5 50 14 39
· Windelexpress, Bautzener Str. 2, 80997 München, Tel.: 1 41 50 51
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Mit freundlicher Genehmigung des Autors.